kaioo heißt bald OpenNetworX

2008 September 4
by thomas

Liebe kaiooten,

nach langer Funkstille hier ein persönlicher Kommentar an alle hartgesottenen kaiooten, die uns immer unterstützt haben: dafür erstmal ganz herzlichen Dank, wirklich, und zwar von Herzen. Bitte entschuldigt, dass Sebastian und ich hier in letzter Zeit wenig persönlich präsent waren, aber es war aufgrund des Umbaus der Plattform und persönlichen Umständen einfach nicht möglich. Wir sind Philipp Schuch sehr dankbar, dass er dies für uns übernommen hat: sein Engagement für kaioo war und ist – wie auch das von vielen anderen Nutzern – einfach unglaublich.

Der Umbau der Plattform wird voraussichtlich Ende September soweit abgeschlossen sein, so dass wir offiziell den Neustart wagen können. Bevor wir das tun, wollen wir Euch hier und jetzt vorab über unsere Pläne informieren, die nach monatelanger harter Arbeit und endlosen Diskussionen nun hinreichend feststehen. Damit Ihr unsere Überlegungen nachvollziehen könnt, hier nochmals kurz die Hintergrundgeschichte, die uns dorthin gebracht hat, wo wir jetzt stehen.

Die Vorgeschichte

Im Januar 2007 hatte ich die Idee einer gemeinnützigen Community, die Ihre Werbeeinnahmen spendet – und habe aus Begeisterung so lange kaum schlafen können, bis ich mit Herrn Schmidt-Holtz einen Partner für das Projekt gefunden hatte und meinen (sehr gut bezahlten) Job aufgeben habe. Ich habe es gerne und aus tiefster Überzeugung getan, dass wir mit kaioo richtig etwas bewegen und eine Menge Gutes tun können. Am 17. November 2007 war es dann endlich so weit: die erste Beta-Version von kaioo ging nach monatelanger Entwicklung Samstagmittag online.

Wir wussten, dass der Spiegel-Artikel über kaioo irgendwann am Samstag online gehen würde, so dass wir die ganze Nacht durchgearbeitet haben. Ich weiß noch genau, wie nervös ich war und ständig auf und ab gegangen bin – es war totenstill, nur meine Schritte und die Tastaturgeräusche unserer Programmchefin waren zu hören. Wir bzw. sie hat es dann in allerletzter Minute doch noch geschafft, kaioo VOR dem Spiegel-Artikel online zu bringen, und uns allen fiel ein zentnerschwerer Stein vom Herzen.

Sonntagmorgen – der Tag nach dem Marktstart – dann der Blick auf die Reaktionen der ersten Blogger, und siehe da: fast alle positiv, einige sogar begeistert. Wir waren überglücklich und dachten: jetzt hält kaioo niemand mehr auf. Doch die totale Ernüchterung, ja grenzenlose Enttäuschung folgte nur 7 Tage später: Während sich am Wochenende des Marktstarts ca. 3000 Nutzer angemeldet hatten, so waren es nur eine Woche später weniger als 100 neue Nutzer pro Tag, manchmal sogar weniger als 50.

Der Schock saß tief, sehr tief. Ich weiß es noch wie heute, ich hatte ein ständiges Drücken und Brennen in der Brust, konnte kaum atmen oder schlafen. Wir waren in nur einer Woche aus dem 7. Himmel unserer Träume in eine Hölle voller Selbstzweifel und Sorgen gestürzt: Ist die Idee doch nicht so genial wie angenommen? Haben wir überhaupt noch eine Chance? Oder ist die ganze Arbeit, alles umsonst gewesen?

Der Zwischenspurt

Doch dann Mitte Dezember auf einmal ein Lichtblick: wie aus dem nichts stiegen die Registrationen von weit unter 100 auf über 200 pro Tag, bis zu einem Spitzenwert von 1485 Registrationen am 6. Januar. Was war geschehen? Ganz einfach: die größte deutsche Community hatte ihre AGB geändert und ihren Nutzern eine Frist zur Zustimmung gesetzt, so dass viele sich verärgert nach einer Alternative umgesehen haben.

Diese Wochen waren auf der einen Seite eine tolle Zeit: zu sehen, dass diese Idee einer gemeinnützigen Community doch Anhänger findet. Sie haben hunderte Gruppen und Profile mit kaioo Logo kreiert (bis sie dort gelöscht wurden), es war echt unglaublich. Auf der anderen Seite war die Zeit aber auch überaus schwierig und letztendlich sehr enttäuschend, denn: es wurden schnell böse Gerüchte und Verschwörungstheorien über kaioo gestreut, die unsere Gemeinnützigkeit in Frage stellten. Ich habe damals wirklich gefühlte 24-Stunden vor dem Rechner gesessen und versucht, jede Frage und jeden Post persönlich zu beantworten, damit kaioo nicht in ein falsches Licht gerät, selbst ein Erklärungsvideo haben wir gedreht.

Die Ernüchterung

Letztendlich hat es nicht gereicht: schon Ende Februar/Anfang März hatte sich der „Hype“ um kaioo wieder gelegt und die Registrationen waren wieder auf unter 100 pro Tag gefallen. Auch das neue Release damals konnte daran nichts ändern, es hatte zu unserem Schrecken keinerlei positive Auswirkung auf die Nutzerzahlen. Spätestens Mitte März war klar: kaioo ist so nicht nachhaltig sinnvoll zu betreiben. Ende März starb dann meine Mutter an Krebs, so dass ich endgültig auf dem absoluten Tiefpunkt meines Lebens angelangt war.

Denen von Euch, die sich bis zum heutigen Tag immer noch für das Generieren von Spenden durch Werbebanner einsetzen, möchte ich nochmals ganz ehrlich und deutlich sagen: das ursprüngliche Konzept ist leider nicht erfolgreich umsetzbar. Die Entwicklung der Nutzerzahlen in der Vergangenheit und unsere Erfahrungen bei der Nutzergewinnung sprechen eine eindeutige Sprache. Ihr könnt mir wirklich vertrauen, denn eigene Fehler sind meist am schwierigsten einzugestehen, und ich habe für diese Idee schließlich alles stehen und liegen lassen.

Die Gründe hierfür liegen in einer Mischung aus Komplexität, Glaubwürdigkeit, und Trägheit. Komplexität, weil das Konzept erklärungsbedürftig und nicht für jeden leicht zu verstehen war. Glaubwürdigkeit, weil anscheinend grundsätzlich jeder erstmal den Haken an einer „guten Sache“ sucht, und sich kaum jemand vorstellen kann, dass mal keine Geldgier dahinter steckt. Trägheit, weil der Spaß am Spenden für die allermeisten geringer ist, als der persönliche Aufwand durch den Wechsel zu kaioo (Profil anlegen etc.) – und im Zusammenhang mit der Glaubwürdigkeit ist den meisten das kleinste Gerücht über kaioo Ausrede genug, um kaioo den Rücken zu kehren.

Letztendlich ist Wikipedia genau wegen derselben Probleme rein spendenfinanziert, denn Werbeeinnahmen würden den gemeinnützigen Charakter der Plattform verwässern. Selbst als Wikipedia vor einiger Zeit massive Finanzierungsprobleme hatte, hat man sich nicht für Werbung geöffnet – obwohl jedes Jahr zwei bis dreistellige Millionenbeträge erwirtschaftet werden könnten. Denn sobald Werbung und somit Geld im Spiel ist, geht das Hauen und Stechen richtig los: Wer darf zu welchen Konditionen werben? Wer macht die Vermarktung bzw. verdient noch an der Werbung? Ist Wikipedia wirklich 100% unabhängig?

Alle diese Fragen würden und sind in der Vergangenheit schon auf kaioo eingehagelt, ohne dass je auch nur ein Werbebanner geschaltet wurde. Und bei kaioo sind diese Fragen noch wichtiger und zahlreicher, denn es handelt sich im Vergleich zu Wikipedia ja um persönliche Nutzerdaten. Und darüber hinaus kommt bei kaioo noch der ganze Fragenkomplex der Mittelverwendung hinzu (z.B. Wer entscheidet und wie genau wird entschieden, wohin die Spenden gehen?)! . Hinzu kommt noch das Problem, dass Werbebanner die Plattform „zuspammen“ und dennoch kaum nennenswerte Beträge generieren, solange die Nutzerzahlen nicht wenigstens in die hunderttausende gehen.

Die Lösung

Doch nach Regen kommt bekanntlich Sonne: letztendlich haben wir aus den Erfahrungen gelernt, und das Konzept und die Plattform mit Euch, den Nutzern, entlang der Grundgedanken von kaioo weiterentwickelt: im März kam uns in Diskussion mit einem Nutzer (eben jener Philipp Schuch) die Idee, die bis dato internen Netzwerke in kaioo mit eigener Webadresse und eigenem Design auszustatten, so dass sich Nutzer, Schulen, Universitäten, und gemeinnützige Organisationen eigene Netzwerke anlegen und für sich Nutzen können. So können in Kooperation mit kaioo beispielsweise nachhaltige Bildungs- und gemeinnützige Netzwerke entstehen, die kostenlos, werbefrei und datensicher sind.

Der Bedarf nach Netzwerken ist nach wie vor groß: viele Organisationen haben bereits versucht, eigene Lösungen zu entwickeln und Ressourcen dafür verschwendet – mit bestenfalls mäßigem Erfolg, denn diese „Insellösungen“ sind für Nutzer meist wenig attraktiv. Bei kaioo dagegen können Nutzer parallel Mitglied in mehreren Netzwerken sein, was zu einer häufigeren Nutzung führt, von der nicht zuletzt alle Netzwerkadministratoren profitieren.

Besonders glücklich bin ich auch darüber, dass wir eine Möglichkeit für das „Spenden“ von Werbeeinnahmen gefunden haben, die viele der oben beschriebenen Nachteile unseres alten Konzeptes vermeidet und erheblich mehr Geld generiert: Wir sind derzeit in Gesprächen mit Clicks4Charity, die Ihre „Spendenleiste“ als Widget in unsere Netzwerke integrieren könnten. Clicks4Charity spendet die Provisionen, die beim Online-Kauf eines Produktes entstehen, wenn ein Käufer zuvor über einen Werbelink von einer anderen Webseite zum Online Shop weitergeleitet wurde.

Die Provisionen entsprechen bis zu 10% des Kaufpreises, so dass selbst durch einzelne Personen erhebliche Geldbeträge zusammenkommen können – um ein Vielfaches mehr als bei dem ursprünglichen Werbekonzept von kaioo. Ein weiterer, riesengroßer Vorteil ist außerdem, dass bei Clicks4Charity jeder selber entscheiden kann, wohin seine „Spende“ fließen soll! Eine Nutzerwahl und die damit verbunden Streitereien und Vorteile großer Organisationen entfallen daher gänzlich. Darüber hinaus kann jeder Netzwerkadmin entscheiden, ob er das Widget überhaupt in sein Netzwerk integrieren möchte – und jeder Nutzer, ob er es nutzen möchte. Schlussendlich braucht sich mit dieser Lösung niemand Gedanken darüber zu machen, ob seine persönlichen Daten für personalisierte Werbebanner missbraucht werden.

Wie gesagt, wir sind gerade in Gesprächen mit Clicks4Charity und werden noch einige Details klären müssen, aber grundsätzlich würde eine Kooperation nur Vorteile bieten: Wir könnten uns voll auf unsere gemeinnützigen Netzwerke und Clicks4Charity auf Ihre Technologie & Partner konzentrieren.

kaioo heißt bald OpenNetworX

Mit dem beschriebenen Ausbau von EINER Community in eine „Meta“-Plattform aus beliebig vielen Netzwerken werden sich Nutzer in Zukunft über verschiedene Webadressen für die Plattform registrieren, ohne etwas über kaioo zu erfahren oder jemals die Startseite von www.kaioo.com zu Gesicht zu bekommen. Die meisten Leute würden sich höchstens wundern, was dieses komische Wort „kaioo“ in der Internetadresse ihres Netzwerks bedeutet (z.B. www.netzwerkname.kaioo.com). Aus diesem Grund werden wir – wenn auch sehr schweren Herzens – kaioo bald in OpenNetworX umbenennen.

Der Name OpenNetworX spricht für sich selbst und lässt erahnen, worum es im Kern geht: um eine gemeinnützige Plattform für Netzwerke. kaioo dagegen ist ein fiktiver und emotional aufgeladener Name, der für EINE Community stand, in der alle gemeinsam dasselbe Ziel verfolgten. In Zukunft wird es jedoch viele eigenständige Netzwerke geben, die unterschiedliche Ziele verfolgen und eigene Namen haben (z.B. von Organisationen). Ein weiterer Vorteil des Namens OpenNetworX liegt daher in seiner Neutralität und Sachlichkeit: er kollidiert oder überstrahlt die Namen der Netzwerke nicht.

Eins könnt Ihr uns wirklich glauben: auch bei dieser Entscheidung haben wir unendlich lange miteinander gerungen, denn der Name kaioo ist nicht nur uns, sondern auch Euch, den kaiooten, sehr ans Herz gewachsen. Aber so schön man den Namen kaioo auch finden mag, so kommt man nach einer rationalen Betrachtung der Vor- und Nachteile zu einem eindeutigen Ergebnis.

Der Ausblick

Nach monatelanger Arbeit sind wir nun bald soweit, dass wir mit der neuen Plattform richtig loslegen können. Wir sind sehr froh über die Struktur der Plattform, denn sie ist weltweit einzigartig und stellt unseres Erachtens den Prototyp einer Web2.0 Plattform dar, weil sie den Nutzern auch das Gründen und Administrieren der Netzwerke überlässt. So gesehen hat unser Motto „von Nutzern für Nutzer“ eine ganz neue Dimension bekommen. OpenNetworX wird eine gemeinnützige Plattform für Netzwerke sein, die spendenfinanziert und somit werbefrei und datensicher sein wird – quasi ein „Wikipedia der Netzwerke“.

Zum offiziellen Start der Plattform Ende September/Anfang Oktober wird dann voraussichtlich auch die Gründung unserer rechtsfähigen, gemeinnützigen Stiftung abgeschlossen sein, so dass auch den letzten Skeptikern der Wind aus den Segeln genommen wird. Denn eine Stiftung hat im Vergleich zu einer Stiftungs-GmbH keine Gesellschafter – maßgeblich ist dann nur noch der in der Satzung festgelegte Stiftungszweck, dessen Einhaltung von der Stiftungsaufsichtsbehörde kontrolliert wird.

Des Weiteren wollen wir bis Ende September unsere Kooperation mit der Universität Madgeburg ausbauen und weitere Partner aus dem Bildungs- und gemeinnützigen Bereich finden. Es gibt also viel zu tun, und wir würden uns wirklich sehr freuen, wenn der/die ein oder andere kaioot/in auch OpenNetworX treu bleibt und unterstützt – es wäre uns eine Ehre! Nochmals ganz herzlichen Dank für all Euren Einsatz: ohne Euren Zuspruch und Eure Hilfe hätten wir wohl schon längst das Handtuch geworfen. Ich benutze das Wort „stolz“ äußerst selten, aber meiner Meinung nach können wir alle ein wenig stolz darauf sein, was hier entstanden ist. Und auch wenn der Weg noch weit ist, so bin ich mir sicher, dass wir auf einem guten Weg sind – und das werden irgendwann auch andere Leute verstehen. J

Beste Grüße aus Hamburg, auch von Sebastian und dem Rest des Teams, sendet Euch

Euer

Thomas

2 Kommentare leave one →
2008 September 6
Jeannette

Anmerkung:

Es gibt hierzu bereits eine “heiße” Diskussion. Und zwar in der Gruppe

“Werbung auf Kaioo?” bei kaioo.com

2009 Juni 21

[...] ist die neue Heimat von kaioo. OpenNetworX ist als Meta-Plattform aus kaioo hervorgegangen und bietet seit August die [...]

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